Chaos Communication Congress – A New Dawn

Bild: TIMECODEX CC BY NC ND

SUSANNE-HOLZGRAEFE-C31C-VORTRAG-2014-FOTO-padeluunDie Autorin: Dipl. Inf. Susanne Holzgraefe ist seit 1996 im OpenSource aktiv und hat unter anderem PostgreSQL und MySQL mitentwickelt und sich für Datenschutz und Datensicherheit eingesetzt.
Susanne ist Datenschutzbeauftragte der Piratenpartei NRW.

Im Bild auf dem Speakersofa von Digitalcourage auf dem 31C3.

Zum 31. Mal organisierte der Chaos Computer Club (CCC) den Chaos Communication Congress (31C3), der stets zwischen Weihnachten und Neujahr (27. bis 30. Dezember) stattfindet. Angefangen hat alles 1984 im Eidelstedter Bürgerhaus in Hamburg. Der Congress wuchs und zog 1998 nach Berlin. Wenige Jahre später waren die Räumlichkeiten im Berliner Congress Center für den immensen Besucheranstrom zu klein. Seit 2012 tagt der Congress im Congress Center Hamburg (CCH). Ein Center der Superlative. In den größten Theatersaal (Saal 1) passen 3000 Personen; das ist vergleichbar mit der Pariser Oper. Der zweite Theatersaal (Saal 2) ist mit einer Bestuhlung für rund 1500 Personen so groß wie das Colosseum Theater in Essen und damit nur knapp kleiner als das Audimax der Ruhruni Bochum.

31C3 war ein Congress der Superlative. Mehr als zehntausend Besucher, ungefähr 400 Kinder, geschätzte 400 Vortragende und Moderatoren, fast 1200 freiwillige Helfer (Engel genannt) und hunderte von Projekt- und Gruppentischen (Assemblies) füllten die Hallen. Sämtliche im CCH befindlichen Tische und Stühle waren im Einsatz. Der CCC musste sich weitere Stühle und Tische von außen leihen.

In den vier Tagen wurden jedoch nur 63 MWh Strom verbraucht; das ist weit weniger als in den Jahren davor. Technik im Wert von über 3 Millionen Euro kam zum Einsatz, um den Teilnehmern Strom und Internet bereitzustellen.

Vom CCC wurden 186 Vorträge organisiert, die von 202 unterschiedlichen Personen gehalten wurden. Daneben gab es noch eine Schauspielgruppe, die ein Theaterstück aufgeführt hat. Es waren 122,5 Stunden Programm im Haupttrack. Darüber hinaus gab es noch 238 offiziell im Wiki registrierte Vorträge und Workshops, die von den Projekten und Gruppen selbst organisiert wurden. An allen Ecken gab es etwas zu sehen und zu hören. Es gab eine Vielzahl spontaner Vorträge und Workshops, die nicht registriert sind.

Das Vortragsprogramm im Haupttrack war ein Gemisch aus technischen und politischen Vorträgen. Martin Haase pflückte die digitale Agenda der Bundesregierung auseinander, Katarina Nocun und Maritta Strasser sprachen über Handelsabkommen, Richard Stallman erklärte, dass das Wort: „frei“ in freier Software nicht für kostenfrei steht, sondern sich auf Freiheit und Frieden bei der Verwendung der Software bezieht. Stefan Wehrmeyer zeigte auf, wie schwierig es trotz Informationsfreiheitsgesetz (IFG) ist, Dokumente vom Staat zu bekommen. Gleich mehrere Vorträge befassten sich auf unterschiedliche Weise mit dem NSA-Skandal. Michael Büker analysierte die Frage, was eigentlich aus den vielen Atombomben geworden ist, Peter Sewall erklärte in Informatikern verständlicher Weise, warum Computer so @#!? sind und so weiter und so weiter. Fast alle Vorträge des Haupttracks wurden aufgezeichnet und stehen als Stream zur Verfügung.

Der Congress hatte erkennbar internationales Flair. Viele Vorträge im Haupttrack waren in englischer Sprache. Eine Gruppe Synchronsprecher sorgte dafür, dass englische Vorträge ins Deutsche und deutsche Vorträge ins Englische übersetzt wurden. Es gab bei dem einen oder anderen Event sogar einen Synchronsprecher für Switzerdütsch. Daneben schrieben fleissige Helfer (Engel) – im Hintergrund fast synchrone Untertitel, die unter den Vortragsfolien angezeigt wurden.

Im internationalen Publikum fanden sich viele Skandinavier, Niederländer aber auch Briten, Franzosen, Italiener. Aus Osteuropa kamen Rumänen, Bulgaren, Russen und Esten.
Einige Besucher waren sogar aus den USA angereist.

Der Frauenanteil war relativ hoch. Es gab zwar keine Schlangenbildung auf den Damentoiletten, aber frau war hier, trotz zahlreicher Toilettenanlagen, nur selten allein.

Das Durchschnittsalter der Besucher lag wohl knapp unter dem Alter des Congresses. Die nächste Generation hat hier eindeutig das Parkett betreten. So gab es den einen oder anderen technischen Vortrag und Workshop, in dem junge Menschen für leichte Verwirrung der älteren Generation sorgten, weil sie bildlich gesprochen, stolz berichteten, dass sie herausgefunden haben, wie sich ein Wählscheibentelefon bedienen lässt.

Neben der üblichen CCC- und OpenSource-Prominenz wurden auch Piraten wie Stefan Körner, Stephanie Schmiedke, Julia Reda, Frank Herrmann, Lukas Lamla, Niko Kern und Daniel Schwerd gesichtet.

Zusammengefasst lässt sich sagen:
Es war eine absolut gelungene Veranstaltung – mit sehr vielen spannenden Themen und professionellen Vortragenden, die die vier Tage im Fluge vergehen ließen. Fast alle Vorträge des Haupttracks wurden aufgezeichnet und sind online. Wer hier reinschnuppern und weitere Eindrücke vom 31C3 gewinnen möchte, ist herzlich eingeladen, sich durch die Vielzahl der Streams zu klicken.


Kommentare

Ein Kommentar zu Chaos Communication Congress – A New Dawn

  1. Czossi schrieb am

    „Es gab zwar keine Schlangenbildung auf den Damentoiletten, aber frau war hier, trotz zahlreicher Toilettenanlagen, nur selten allein.“
    Toller Artikel liest sich wie ein Klassenfahrtbericht aus der vierten Klasse HAHAHAAAAA XD

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