C3S Die freundliche GEMA-Alternative

Bild: CC-BY-SA Henning Grote

– Interview mit Meik Michalke und Manfredo Mazzaro von der C3S

Wer in Deutschland Musik abspielt oder auf der Bühne aufführt, bekommt es fast immer mit einem Vier-Buchstaben-Verein zu tun: der GEMA, Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte und mechanische Vervielfältigungsrechte.

Der GEMA meldet Musiker oder Veranstalter seine Playlists, und zahlt denen dann GEMA-festgelegte Gebühren. Doch im Laufe der Jahrzehnte setzten sich Ungerechtigkeiten in diesem etablierten Gefüge fest. Zuletzt war es ein Senioren-Singkreis, der fürs Anti-Demenz-Singen eine Rechnung bekam.

Nun will die Drei-Buchstaben-Organisation C3S, in lang „Cultural Commons Collecting Society“ diesem Monopolbetrieb ein Ende setzen. Wir sprachen mit Meik Michalke und Manfredo Mazzaro von der C3S.

Meik Michalke und Manfredo Mazzaro von der C3S arbeiten an neuen Musik-Lizenzalternativen. Fotos: Flickr / Hansen.Berlin CC BY-NC-SA, und Piratenpartei Frankfurt.

Meik Michalke und Manfredo Mazzaro von der C3S arbeiten an neuen Musik-Lizenzalternativen. Fotos: Flickr / Hansen.Berlin CC BY-NC-SA, und Piratenpartei Frankfurt, CC BS-SA.

 

Wie läuft das bei euch mit den Volksliedern? Müssen jetzt Senioren-Singkreise bald auch Gebühren an die C3S abführen oder …?

 Meik: Eine Verwertungsgesellschaft vertritt nur die Rechte an Musikwerken, die ihr vertraglich übergeben wurden. Die GEMA machte bei den Senioren ja einen Rückzieher. Denn sie wollte sicher den Senioren nichts böses tun. Das passiert aufgrund der „GEMA-Vermutung“.

Dies ist genau so ein Punkt, wo man in Zukunft genauer hinschauen muss, wenn es eine zweite Verwertungsgesellschaft C3S gibt. Automatisch wird es wichtiger, welche Werke tatsächlich genutzt werden.

Vielleicht zeigt sich, das es Werke sind, die überhaupt keine Verwertungsgesellschaft nutzt. Dann sollten solche Ereignisse seltener werden. Im Moment geht die GEMA davon aus, dass sie ihre Rechte in jedem Fall vertreten muss.

 

Im Internetzeitalter stoppen Daten nicht mehr an den Ländergrenzen. Was bewegt sich eigentlich so bei den Musiklizenzen?

C3S_Barcamp_Unterschrif - BLOGtMeik: Im Augenblick haben die nationalen Verwertungsgesellschaften untereinander Verträge abgeschlossen. Die leiten es dann an die entsprechende Gesellschaft weiter. 35 Prozent aller Verwertungen sind unklar. Also wird relativ viel Geld nach statistischen Schlüsseln auf irgendwelche Gesellschaften verteilt. Wir möchten die C3S als gesamteuropäische Gesellschaft betreiben. Da könnte man dann auch Satelliten-C3S in Ländern aufbauen.

C3S-faire-bezahlung-der-musikGEMA ohne Gemeinheiten: die neue C3S
Seit fast zwei Jahren gibt es sie: Cultural Commons Collecting Society (C3S), die eine vollwertige Alternative zur etablierten Musikrechte-Gesellschaft GEMA werden will. Die C3S will auch einzelne Werke lizensieren, nicht mehr, wie bei der GEMA, das Komplett-Repertoire eines Künstlers. Creative-Commons-Lizenzverträge unterstützt sie, und wird dann Technik auf dem Stand der Zeit verwenden, zum Beispiel eine automatisierte Playlisten-Übermittlung und automatisiertes Monitoring von Rundfunk- und Online-Kanälen. Seit einem Jahr ist die C3S eine eingetragene europäische Genossenschaft. Im August 2014 legte sie ihren ersten Geschäftsbericht vor.

Fredo: Die großen Labels haben viel mehr Möglichkeiten, Geld geht überproportional an diejenigen, die in der Verhandlung Macht ausüben. Eine Alleinvertretung ist selten, deshalb gründeten wir die C3S sofort als europäische Genossenschaft. Warum nicht gleich weltweit, könnte man fragen …

 Meik: … wir haben uns auf EU konzentriert, da es Harmonisierungen gibt. In anderen Bereichen der Welt gibt es eine andere Kultur, zum Beispiel das angloamerikanische Copy-Right für Recht an der Kopie von Werken, statt bei unserem Urheberrecht, wo der Schöpfer im Mittelpunkt steht. Das sind Unterschiede in den Rechtssystemen, deshalb bleiben wir erstmal in Europa.

Wie seht ihr die momentane Diskussion zum Urheberrecht auf EU-Ebene, was sind da eure Standpunkte?

Fredo: Eine urheberrechtliche Vereinfachung ist nichts schlechtes. Da gibt es unterschiedliche Philosophien zwischen dem angelsächsischen Raum und Kontinentaleuropa.

Meik: Meine Position dazu: seitdem die ganze Urheberrechtsdebatte Ende der 90er losging, die Einsicht kam, das das Internet etwas ist, mit dem man sich beschäftigen musste, diskutierten wir fast 20 Jahre hin und her. Ein paar Reformen im deutschen Urheberrecht verschlechterten die Dinge nur. Man hat eine neue Abmahnindustrie hochgezüchtet, ein völlig falscher Schritt. Die Urheber haben davon nichts.

Wir haben den Ansatz von Richard Stallman übernommen. Er wollte nicht das gesamte Copyright umschreiben. Er hat darin einen Lizenzvertrag entworfen. Wir haben ein Musikverwertungskonzept, das innerhalb bestehender Regeln das neue Verwerten ermöglicht. Wir würden uns lediglich ein Moratorium fürs Urheberrecht wünschen.

Fredo: Die fehlerfreie Kopie per Internet brachte eine ganz neue Qualität. Es ist momentan nicht so, wie ich es als Künstler will. Diese Marketing-Wahlmöglichkeiten, einfach mal etwas frei wegzugeben, gibt es über die GEMA nicht. Insofern kann der Künstler die Internet-Verwertungschancen nicht voll ausschöpfen.

Warum versucht ihr nicht, das GEMA-System von innen zu reformieren?

Fredo: Das ganze Modell ist aus einer anderen Zeit, es ist nicht mehr so anpassungsfähig.

Meik: Wir haben im letzten Jahr vom Land NRW gefördert einen Software-Prototyp entwickelt, das so etwas ähnliches wie bei Spotify machen kann: Eine Abrechnung pro Titel. Wenn ich Bands unterstützen will, die eher nicht im Radio laufen. Es richtet sich an musikinteressierte Leute. Dafür ein plugin in meinem Mediaplayer, das haben wir jetzt umgesetzt. Davon wird dann Geld an die Künstler verteilt. Das wäre ein Baustein für eine moderne Verwertung.

Fredo: wir haben von Anfang an auf eigene Strukturen gesetzt, getrennt von Parteien. Man trifft bei C3S und Piraten auf die selben Leute, die selbe Denke, bei allem, was mit Daten zu tun hat.

Meik: Wir wollen nicht den Eindruck entstehen lassen, dass die C3S ein Piratenprojekt ist.

Fredo: Das Konzept der C3S ist allerdings sehr piratig …

Meik: … wie bei Free Software …

Fredo: … es gibt da zahlreiche Schnittmengen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Mitmachen bei C3S: was, wo und wie

Die C3S will eine faire und schlanke Plattform werden, die modernen Lizenzen wie Creative Commons ein angemessenes Rechtemanagement und Vergütungen garantiert. Eben ganz anders als die altbekannte GEMA.

Wie kann man der C3S dabei helfen?

  • Es gilt jetzt, alle Urheber zu informieren und eine Willensbekundung zur fairen und anteilsgerechter Lizenzverteilung zu solidarisieren. Die Chance, die sich hier Urhebern eröffnet, ist einmalig in der Geschichte der Verwertungsgesellschaften.
  • Je mehr Urheber, Künstler, Komponisten, Tontechniker teilnehmen, umso leichter wird die Anerkennung vor dem Patentamt in München.
  • Darüber hinaus freut sich die C3S auf Unterstützung aller Art. Die größte Baustelle sind Finanzen: Unter https://sustain.c3s.cc kann man mit einer Spende helfen, die laufenden Kosten zu decken.

Mehr Infos im Web auf https://www.c3s.cc und im Echtleben:

Cultural Commons Collecting Society
Heyestr. 194
40625 Düsseldorf

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Gastbeitrag von Stefan Müller aus der KOMPASS-Redaktion.

 


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