Ihr Bürger-Landrat:

– Hans Christian Markert

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SPD, Grünen, Linkspartei, PIRATEN und Die Aktive haben Sie als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Landrats gewählt.

Mit welchen Konzepten haben Sie gleich fünf Parteien davon überzeugt, dass Sie der richtige Kandidat sind? 

 

Hans Christian Markert: Wir haben wie in Bayern auch im Rhein-Kreis eine Sondersituation. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs dominiert hier nur eine Partei. Der Rhein-Kreis gehört aber nicht der CDU – ebenso wenig wie Bayern der CSU. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr mitgenommen und bei der CDU entstehen aus dem Luxus der Betonmehrheiten heraus ja auch zunehmend interne Konflikte. Es wird Zeit für einen Wechsel, für neue Köpfe und frische Konzepte.

 

Wenn eine Partei so lange die Mehrheit besitzt, müssen die andern Parteien kreativ werden. Wir haben die Strategie eines Parteienbündnisses schon vor längerer Zeit diskutiert. Natürlich bedeutet das mehr Koordinationsaufwand, aber es lohnt sich: Wir sammeln in einem Bündnis viele Ideen, die wir sonst nicht bekommen würden. Vielleicht sollte man die Demokratie in Deutschland lüften und öfter mal solche Bündnisse ausprobieren. Wechselnde Mehrheiten können sachbezogen sicher auch erfolgreich sein.

 

„Der Landrat ist als höchster Vertreter des Rhein-Kreises Neuss für ein soziales Miteinander aller hier lebenden Menschen“, so steht es auf der Internetseite zur Bürgerinformation für die Wahl am 13.9. 2015. Wie möchten Sie herausfinden, was Sie in dieser Position für die Menschen tun könnten, wenn Sie gewählt werden? 

 

Hans Christian Markert: Bereits jetzt im Wahlkampf bin ich sehr viel unterwegs und spreche mit den Menschen – ob bei großen Stadtfesten, am Infostand oder beim Haustürwahlkampf direkt bei den Menschen. Das ist für mich eine sehr spannende Zeit. Als Landtagsabgeordneter kommt man ja eher mit Experten und Menschen, die sich ohnehin für Politik interessieren, in Kontakt. Gerade wenn ich von Tür zu Tür gehe, gewinne ich noch völlig neue Einblicke. Viele Menschen haben in ihrem Leben noch nie einen Politiker getroffen. Ich möchte das ändern und als Landrat bei den Menschen sein. Diesen Anspruch drückt mein Versprechen aus, „Bürger-Landrat“ sein zu wollen.

 

Das bedeutet: Ich mache Betroffene zu Beteiligten und möchte die Menschen mitnehmen. Bei strittigen Bauprojekten müssen Befürworter und Anwohnerinnen frühzeitig an einen Tisch geholt werden. Dass ich das kann, habe ich mehrfach – etwa beim einstimmigen Ergebnis der von mir initiierten Enquete-Kommission zur nachhaltigen Zukunft der Chemie – bewiesen. Auch als amtierender Landrat werde ich mir Zeit nehmen, um zu den Menschen zu gehen und mir ihre Sorgen anzuhören.

 

Welche drei Missstände im Kreis Neuss würden Sie am liebsten sofort beseitigen? 

 

Hans Christian Markert: Am liebsten würde ich Langzeitarbeitslosigkeit, Armut und Fremdenfeindlichkeit sofort beseitigen. Vor allem die beiden ersten Punkte werden wahrscheinlich niemals vollständig beseitigt werden können. Alleine sie zu minimieren braucht große Anstrengungen aller Beteiligten. Dafür werde ich die nächsten fünf Jahre alles geben!

 

Wir Piraten stehen für Transparenz, Bürgerbeteiligung und möchten Freifunk fördern. Welche dieser Themen möchten Sie mit uns zusammen angehen?

 

Hans Christian Markert: In der Tat bringen die Piraten eine große Internet-Kompetenz in unseren Wahlkampf ein. Mit Joachim Paul und Lukas Lamla kommen gleich zwei Landtagsabgeordnete aus Neuss. Über die Unterstützung von beiden freue ich mich sehr. Mit Lukas habe ich mich auch mal länger zusammen gesetzt und er hat mich noch stärker in eure Themen eingearbeitet. Vor allem die Themen Freifunk und Glasfaserausbau sind uns wichtig.

 

Den Ausbau von Glasfaser im Rhein-Kreis Neuss will ich forcieren. Als Landrat habe ich dazu leider nur beschränkte Möglichkeiten. Die möchte ich aber nutzen. Wir müssen die kommunale Infrastruktur stärker einbeziehen. So haben anderen Städte zum Beispiel bei Straßenbauarbeiten Leerrohre verlegt, durch die man später kostengünstiger und mit sehr viel weniger Aufwand Glasfaser legen kann. Außerdem möchte ich neue Gewerbegebiete nur dort ausweisen, wo ein Glasfaseranschluss vorhanden ist. Denn nicht nur für die Bürger, auch für Mittelstand und Handwerk ist schnelles Internet wichtig.

 

Als Landrat werde ich auch die Freifunk-Bewegung unterstützen. Freifunk ermöglicht gerade Menschen mit kleinem Geldbeutel eine Teilhabe an unserer Gesellschaft. Derzeit werbe ich vor allem bei sozialen Einrichtungen (z. B. AWO, Caritas, Flüchtlingsunterkünfte, Tafel, etc.) im Rhein-Kreis für Freifunk. Als Landrat werde ich alle Gebäude der Kreisverwaltung für Freifunk zur Verfügung stellen.

 

Machen wir eine Reise in die Zukunft. Sie sind gewählt worden und blicken auf ihre erfolgreiche Amtszeit zurück. Wie hat sich der Kreis Neuss nach Ihrer Amtszeit verändert? 

 

 

Hans Christian Markert: Meine Amtszeit war dann erfolgreich, wenn es gelungen ist, den Strukturwandel tatsächlich nachhaltig so hinzubekommen, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder hier Ausbildungs- und Arbeitsplätze finden und gerne hier leben. Wenn innovative Unternehmen sich hier angesiedelt haben. Wenn alle Menschen, die hier leben, egal wo sie herkommen, sich wohl und beteiligt fühlen. Wenn große Infrastrukturprojekte dank Einbeziehung der Betroffenen eine größere Akzeptanz erfahren. Wenn Inklusion nicht nur in Sonntagsreden beschworen, sondern gelebt wird. Wenn das ÖPNV-Angebot für die Menschen breiter geworden ist, zum Beispiel, indem die RB38 zu einer S-Bahn-Linie geworden ist. Wenn es gelungen ist, den Erftverband und den Nordkanal-Verband endlich an einen Tisch zu holen, um die Entschlammung des Nordkanals zu erreichen, damit wir wieder ein ökologisch funktionierendes Gewässer haben. Wenn die Grundwasserproblematik in Korschenbroich endlich entschlossen angegangen wird. Wenn es wieder mehr Grünflächen und Bäume im Kreis gibt.

 

Hans Christian Markert, vielen Dank für das Interview.

Wir wünschen Ihnen für Ihre Wahl zum Landrat im Rheinkreis Neuss viel Erfolg.

 

 


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