Kommentar: Urheberrecht und Eigentum

Kaum sind die Piraten voll auf der politischen Bühne aufgeschlagen, donnert das Mediengewitter: Erst die 51 Tatort-Autoren, jetzt eine Publikation des Handelsblattes mit dem vorgeblichen Ziel, Kreative und ihren kulturellen Beitrag zu schützen. Leider ist der Text derart von inhaltlichen Fehlern und falschen Grundannahmen durchsetzt, dass er den Stand der Diskussion um das Urheberrecht um Jahre zurückwirft. Bereits die ersten zwei Sätze enthalten drei Fehler; es gelingt dem Autoren noch nicht einmal, den Namen einer Partei richtig zu schreiben, die in Umfragen bei 12% angesiedelt ist. Ist Recherche heutzutage wirklich so schwierig?

Auf die zahlreichen falschen Grundannahmen will ich nachfolgend eingehen, denn hier gibt es einigen Klärungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die Urheber. Bei der inhaltlichen Qualität stellt man sich allerdings die Frage, welchen Zweck eine derartige Publikation verfolgt. Wie netzpolitik.org aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben will, sei dies nur der Anfang einer geplanten und gesteuerten Kampagne. Unabhängig von der Qualität solcher Publikationen sollten wir uns mit deren Inhalt beschäftigen. Schließlich hat sich die Piratenpartei 2006 nicht zuletzt auch deswegen gegründet, um dem fortlaufenden Verfall und Missbrauch des Urheberrechts entgegenzutreten.

Ich selbst bin seit acht Jahren in der Kreativbranche tätig, habe Grafik- und Gamedesign studiert und sowohl innerhalb größerer und kleinerer Kreativbetriebe als auch als freier Autor gearbeitet. Ich habe viele Facetten des Umgangs mit kreativen Leistungen erlebt und genau diese Erfahrungen brachten mich letztlich —“ wie viele andere Musiker, Autoren, Programmierer und Designer —“ zur Piratenpartei. Folgt man den Ausführungen des Handelsblattes, müsste ich verrückt sein, denn angeblich will die Piratenpartei ja das „Recht auf geistiges Eigentum abschaffen“.

Im Normalfall würde ich derartige Parolen einfach unter Uninformiertheit verbuchen und auf das 21 Seiten starke Urheberrechts-Programm der Piratenpartei verweisen, welches in seinem Umfang lediglich die Kurzform darstellt. Dass die Presse ein solch umfangreiches Reformprogramm derart verfälscht und verkürzt, ist allerdings symptomatisch für den Zustand des Journalismus. Er wirft uns Urheber in der Diskussion auf einen Stand zurück, den wir vor fünf Jahren schon für überwunden hielten. Ich fühle mich von dieser Publikation jedoch dazu provoziert, das Bild von Urhebern und Kreativen in der Öffentlichkeit ein wenig gerade zu rücken. Ich befürchte, dass dieser „Qualitätsjournalismus“ die Beziehung zwischen uns Kreativen und unseren Kunden nachhaltig schädigen wird.

Das geistige Eigentum

Der Pathos der aktuellen Medienkampagne lautet: „Die Piratenpartei will das Recht auf geistiges Eigentum abschaffen“ und „sie besitzt eine Kostenlos-Mentalität und zerstört damit Kultur“. Diese Behauptungen sind grotesk und entlarvend zugleich. Sie sind schlicht falsch. Die Piratenpartei kann als politische Partei nur auf den Gesetzgebungsprozess einwirken. Einen Rechtsbegriff „geistiges Eigentum“ gibt es in Deutschland jedoch nicht. Er müsste also zunächst gesetzlich definiert werden, um ihn dann wieder abzuschaffen. „Geistiges Eigentum“ ist damit bestenfalls eine Metapher für kreative Leistungen und Ideen. Warum und wie aber eine Partei jemandem verbieten sollte, Ideen zu haben, erschließt sich nicht.

Dass vor diesem Hintergrund die Kreativen den Begriff des geistigen Eigentums äußerst selten in den Mund nehmen, dürfte nicht weiter verwundern. Man muss uns gar nicht unsere Ideen aus den Köpfen reißen —“ die veröffentlichen wir schon ganz von allein. Was nützen uns die tollsten Ideen und Konzepte, wenn wir sie nicht mit der Öffentlichkeit teilen können? In meiner gesamten Berufslaufbahn habe ich den Begriff „geistiges Eigentum“ stets nur von Managern und Verwertern gehört. Und da liegt auch schon die Diskrepanz: Es geht bei der ganzen Diskussion gar nicht um das Urheberpersönlichkeitsrecht. Es geht um Monetarisierung, um Geschäftsmodelle. Es geht um eine Unterhaltungsindustrie, die zuerst an die Vermarktung denkt und erst in zweiter Linie an kreative Konzepte. Eine Wirtschaft, die kreative Leistungen zur Fließbandarbeit degradiert hat. Eine Wirtschaft, die selbst bei jeder Gelegenheit Funktionierendes kopiert und durch Masse an Innovationsgeist verloren hat.

Ich stelle nicht in Abrede, dass es auch ums Geldverdienen geht. Eine große AAA-Spieleproduktion finanziert sich genauso wenig von allein wie ein Hollywood-Film. Aber dann lasst uns bitte so ehrlich sein und über Geschäftsmodelle debattieren, statt den Schutz von „geistigem Eigentum“ und Kultur vorzuschützen.

Urheber vs. Verwerter

Es geht also eigentlich in der Debatte um die Ausgestaltung von Verwertungsrechten und -modellen. Das Urheberrecht von uns Kreativen wird nur allzu oft vorgeschoben, um Sympathien für sonst unpopuläre Vorschläge zu sammeln. Tatsächlich aber neigen gerade die großen Verleger dazu, das Urheberrecht wenn irgend möglich mit „Buyout-Verträgen“ zu umgehen, um die eigene Gewinnmarge auf Kosten der Kreativen nach oben zu drücken. Ich habe selbst Erfahrungen mit solchen Verträgen gemacht: Man wird als Autor für ein Projekt engagiert und tritt jegliche Rechte örtlich und zeitlich unbegrenzt an den Verwerter ab —“ und zwar nicht nur für das aktuelle Projekt, sondern gleich für alles, was irgendwie noch an Nachfolgeprojekten daraus entstehen könnte. Schreibe ich eine Geschichte, so kann beim Nachfolgetitel ein komplett anderer Autor meine mühsam aufgebaute Fiktion ramponieren, ohne dass ich die Chance hätte zu intervenieren. Und auf eine finanzielle Beteiligung an etwaigen Nachfolgeprojekten brauche ich mir schon gar keine Hoffnung zu machen. Man möge mir also nachsehen, wenn ich auf Publikationen wie die des Handelsblattes allergisch reagiere. Hier gaben sich 47 Manager, acht Politiker und acht Lobbyisten als Urheber aus und zogen sich mit Tricks noch ein paar Alibi-Kreative hinzu, um gegen die Piratenpartei zu wettern. Denn angeblich verfolge diese ja die Abschaffung des Urheberrechts. Liebe Schlipsträger, Verlagsmanager und PR-Leute: Bei der Mühe, die ihr euch gebt, mit eurer Vertragsausgestaltung das Urheberrecht abzuschaffen, braucht ihr erst gar nicht auf andere zu zeigen.

Ein ganz normaler Arbeitstag in der Unterhaltungsindustrie.
Karikatur: CC-BY JollyPiik

Darüber hinaus stört mich die kognitive Dissonanz seitens der Verleger: Einerseits werden Tauschbörsen und Filehoster im Internet zu einer Bedrohung der Kultur hochstilisiert, ihre Benutzung gar zum Diebstahl umgedeutet. Andererseits laden aber dieselben Verlage massenweise unsere Inhalte auf eben jene Plattformen hoch, die sie als illegal ansehen. 20th Century Fox, Warner Bros., EMI —¦ die Liste zieht sich quer durch die Medienlandschaft. Warner Bros. fragte sogar bei der kürzlich geschlossenen Site Megaupload.com an, ob sie nicht ein RSS-Interface bekommen könnten, um ihr gesamtes Repertoire in einem Schub hochzuladen. Große Filmstudios und Spielepublisher finanzieren diese Plattformen dazu via Online-Werbung und bei Viacom hat es so groteske Züge angenommen, dass der Büronachbar die Inhalte aus dem Netz löscht, die sein Kollege aus dem Marketing eben erst hochgeladen hat, um virale Verbreitungseffekte zu erzielen.

Urheber vs. Verbraucher

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin nicht sauer, dass die Verlage diese Kanäle auf diese Weise nutzen. Es gibt schon seit 2002 fortlaufend Studien von Universitäten und sogar der Unterhaltungsindustrie selbst zu dem Thema, und bisher hat jede davon belegt, dass Nutzer von Tauschbörsen gleichzeitig die am stärksten zahlenden Kunden im digitalen Markt sind. Der frühere EMI-Manager Douglas C. Merrill gab bereits letztes Jahr zu verstehen, dass das Phänomen Filesharing Musikern eher nützt als schadet, und stützte sich dabei auf eigene Untersuchungen des Unterhaltungsriesen.

Wenn dies die Realität der digitalen Welt ist, dann wären Verlage dumm, nicht selber Filesharing zu nutzen, zumal dieser Marketing-Kanal nicht wie andere Werbemaßnahmen erhebliche Mengen an Budget verschlingt. Erst kürzlich haben sich über 5.000 vorwiegend musikalische Künstler für eine Promotion bei der berühmt-berüchtigten Torrent-Site “The Pirate Bay— beworben. Dafür, dass die Legalisierung von Filesharing den Tod der Musik bedeuten soll, sind das verdammt viele Künstler.

Nein, ich bin nicht sauer auf die Verlage, weil sie selber Filesharing betreiben. Ich bin sauer, weil sie dies als kostenlosen Marketing-Kanal nutzen und im gleichen Zuge eine parasitäre Abmahn-Industrie durchfüttern. Ich bin sauer, weil sie trotz alledem Kulturliebhaber mit DRM, Kopierschutzsystemen und Spionageprogrammen drangsalieren und ihnen Vertriebsmethoden zumuten, die den direkten Kontakt zu uns Kreativen erschweren. Damit sorgen die großen Verleger dafür, dass die kostenlosen Angebote auf Tauschbörsen attraktiver werden als jene, mit denen die Verlage und damit auch die Kreativen effektiv ihr Geld verdienen —“ und beklagen dann, dass das Internet zu einer „Kostenloskultur“ geführt habe. Aber es sind Betonköpfe großer Medienunternehmen, die den Nutzern eine solche Kostenlosmentalität geradezu antrainieren —“ und das scheint ihnen nicht einmal bewusst zu sein. Klingt komisch? Lassen Sie mich einen Vergleich zur so genannten „realen“ Welt wagen, um die Sache zu veranschaulichen:

Sie kaufen ein Auto. Der Hersteller des Autos lässt Sie beim Kauf einen Vertrag unterzeichnen, der Sie dazu verpflichtet, mit ihrem Auto nur in Deutschland zu fahren. Das Auto könnte technisch gesehen zwar überall hinfahren, doch der Hersteller möchte Ihnen viel lieber für jedes EU-Land ein technisch identisches, aber eben zusätzlich zu bezahlendes Auto verkaufen. Damit Sie nicht doch ins Ausland fahren, baut der Hersteller einen GPS-Chip ein, der beim Überschreiten der Landesgrenze automatisch den Motor lahmlegt. Auch innerhalb von Deutschland hört das Auto sofort auf zu fahren, wenn die Verbindung unterbrochen ist. Irgendwann kommt der Hersteller auf die Idee, dass Sie eigentlich gar keine Rückbank benötigen, und baut diese bei der nächsten Inspektion aus. Sie haben keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen. Da Sie nun aber eine Familie haben und eine Rückbank brauchen, wollen Sie Ihr Auto verkaufen. Das geht aber nicht, weil Sie sich vertraglich verpflichtet haben, das Auto nicht gebraucht weiterzuverkaufen. Irgendwann geht der Automobilhersteller pleite, wodurch Ihr Auto irreparabel deaktiviert wird und nie wieder fahren kann.

Klingt grotesk? So sieht die digitale Realität für jeden aus, der heutzutage einen Film, ein Spiel oder ein eBook kauft. Viele Verbraucher lassen sich das nur gefallen, weil sie die Kreativen unterstützen wollen, aber ebenso häufig fallen inzwischen Begriffe wie „Contentmafia“ oder „Content-Faschismus“. Ein weiterer Grund dafür ist, dass sich Inhalteanbieter in die Gesetzgebung einmischen und z. B. via ACTA oder Vorratsdatenspeicherung das Ende jeglicher Privatsphäre zum Schutz ihrer Geschäftsmodelle fordern. Wenn eine Drangsalierung der Nutzer in derartigen Anfeindungen endet, dann sind am Ende die Urheber die Leidtragenden.

Wir ziehen mit diesen Methoden eine Generation junger Menschen heran, welche die Unterhaltungsindustrie als einen Feind wahrnimmt, den sie irgendwann nur noch bekämpfen möchte. Als Kulturschaffende werden wir dann keine Chance mehr haben, noch irgendeinen Wert von Kunst und Kultur in der Gesellschaft vermitteln zu können. Ich will es nicht so weit kommen lassen, denn Kultur ist unser zivilisatorisches Fundament. Deswegen will ich einen direkten Diskurs zwischen Urhebern und Verbrauchern, den die etablierte Politik nicht liefert. Kulturstaatsminister Neumann schmückt sich als „Anwalt der Kreativen“, auf seinen Kongressen findet man statt Urhebern und Verbrauchern jedoch lediglich Lobby-Verbände der Verleger.

Einen ernsthaften Diskurs mit Respekt vor Urhebern und Verbrauchern gleichermaßen habe ich das erste Mal bei den Piraten gefunden, wo ich mich nun zusammen mit vielen anderen Urhebern aus Literatur, Musik, Film, Spiel und Wissenschaft engagiere.

Sebastian Kreutz, Urheber und deshalb Pirat
Unterstützt durch:

  • Daniel Neumann, Urheber, Musiker und Webdesigner; Verfasser des Urheberrechtsprogramms der Piratenpartei Deutschland
  • Dr. J. Martin, freier Schreiber und Dozent; Media Representative FDA NRW (Schutzverband Deutscher Schriftsteller e.V.)
  • Jessica Karger, Game Design Studentin und Illustratorin

Dieser Artikel erschien vorab auf ruhrbarone.de
Text: CC-BY Sebastian Kreutz
Karikatur: CC-BY JollyPiik


Kommentare

18 Kommentare zu Kommentar: Urheberrecht und Eigentum

  1. Rob Kenius schrieb am

    Leider spricht der Artikel nicht für die Musikschaffenden. Aber genau die sind die am meisten geschädigten. Ebenso die innovativen Labels und Vertriebe.

    Als Feind wird immer die Großindustrie vorgeschoben, die ist auch ein handlicher Feind, egal, ob sie Waffen, Uboote, Hollywoodfilme oder Software herstellen. Piraterie ist nicht da schädlich, wo einer Windwos und Photoshop kopiert oder einen Track der Rolling Stones. Piraterie hat die innovative Musikszene vernichtet. Es gibt zum Beispiel keine Insider-Plattenläden mehr, das kann jeder sehen. Die Labels dahinter sind auch verschwunden.

    Ein junger Mensch, der in sich den Drang und die Fähigkeit verspürt, kreativ zu werden, wird auf keinen Fall Musiker, weil er damit nichts mehr verdienen kann. Nur Musik für Dumme bringt noch was, also für Leute, die zu dumm zum Runterladen sind. In USA blüht die seichte Country-Musik und bei uns laufen noch Schlager und sogenannte Volksmusik, eben weil die Hörer dieser Sparten nicht die soganannten Tauschbörsen besuchen. Die Innovative Musik richtet sich aber genau an diejenigen, die
    jetzt Piraten sind und sich eine Rechtfertigung zurechtzimmern.

    Fakten kann man nicht aus der Welt reden. So unsympathisch Medienkonzerne auch sein mögen, das File-Sharing schadet ihnen am wenigsten, es hat die innovativen Klein-Labels vernichtet und macht professionelles Arbeiten auf niederer Stufe für Musiker, Vertrtiebe, engagierte Schallplattenläden usw völlig unmöglich. Kultur kommt aber von unten. Das sollten auch Webdesigner und Entwerfer von Spielen wissen. Unten, wo das Gras wächst, da ist die Musikszene nur noch Sand und Silizium.

    All das lässt sich nicht wieder gut machen, es sollte aber im Bewusstsein bleiben. Es ist wie im Krieg, die eigentlichen Opfer haben keine Fürsprecher und keine Lobby denn sie sind tot.

    • Michail Kozlov schrieb am

      Lieber Rob,
      Ich denke du hast Unrecht. Wiedersprich mir bitte wenn ich falsch liege aber wird „Ein junger Mensch, der in sich den Drang und die Fähigkeit verspürt, kreativ zu werden“ nicht deswegen Musiker weil er oder sie eben seinen oder ihren Kreativen Drang ausleben will, und nicht primär um Geld zu verdienen? Und dienen nicht gerade für viele solche Künstler Filesharing Plattformen als Forum um ihre Musik unter das Volk zu bringen, so dass sie dann Gigs und Konzerte geben können wo eigentlich jemand auftaucht (und sie durch ticketverkauf Geld verdienen können)? Auch hat nicht die filesharing Industrie den kleinen Plattenladen sondern Großkonzerne mit Massenware, Werbeüberflutung und Dumpingpreisen, die nach oben gehen sobald die Konkurrenz beseitigt ist?
      Gruß,
      M

    • ToastMX schrieb am

      Stimmt das wirklich?
      Ich dachte immer die Kultur wäre ins Internet, die Events und Diskos umgezogen. Natürlich kann ein Plattenladen nicht überleben, womit auch? Aber kreative Labels? Dachte die wären durch das Internet populär wie nie, nur das sie ihr Geld nicht mehr mit CDs verdienen.

  2. Ich bin Deutschland und Du mit Mir schrieb am

    Das der Kopierschutz-Wahnwitz die freiheit nimmt war mir schon länger klar aber dieser Komentar ist der Hammer!Ich empfinde es als frechheit mir pauschal zu unterstellen ich sei Kriminell!
    In diesem Fall gilt anscheinend nicht die Unschuldsvermutung bis eine schuld festgestellt wird und
    die Bundesregierung unterstüzt die auch noch!
    Dies zeugt davon wer in unserer Gesellschaft die tatsächliche Macht hat.
    Solange Verleger und Anwälte ausschließlich Ihren Profit sehen, werden Urheber und Nutzer weit hintenanstehen.

    Zu dem Thema fällt mir auch das CI+-Modul ein mit dem die Produzenten von Kino bzw.DVD/TV Inhalten und TV Geräten bestimmen ob und wenn ja wie ich mit den angebotenen Inhalten umgehen darf.
    Darf ich aufzeichnen,per Gesetz erlaubt aber von Industrie nicht gewünscht! Darf ich aufzeichen, in welcher Qualität, in HD oder eher wie ne abgenudelte VHS-Casette? Darf ich Werbung wegspulen?
    Oder ist die aufzeichnung gar grade mal 20 Tage nutzbar-schade das ich nach 21 Tagen erst aus dem Urlaub kam 😉 !

    Dieser Text darf wenn er den würdig ist, Zitiert, Kopiert oder in teilen verwand werden ohne angabe von
    Quellen oder Verfasser-Kann man aber machen wen man will!!!!!!!!!!!!!

    Viel glück euch in den Haifischbecken der Politik und Wirtschaft-Vergesst nie eure Ideale(Wie z.B. die Grünen B/90)

  3. Stefan Akerblom schrieb am

    +1

    Gedanke. Wenn ich ein gekauftes Buch gelesen und den Inhalt memoriert habe, müsste ich dann Gebühren dafür abführen, wenn ich darüber mit Jemandem spreche?

    Das Problem ist, dass der Makler (der Middleman) seine Daseinsberechtigung verliert…..cutting out the middleman. Und das haben wir bereits 1995 bei der Einführung des Internets gewusst. Änderung tut weh aber sie kommt zwangsläufig ob man es will oder nicht.

    Stefan

    • Anonymous schrieb am

      Es geht gar nicht um den Mittelsman, sondern um den Urheber selbst. Wenn DU eine Doktorarbeit schreibst, dann möchtest DU auch bestimmen, ob und wie sie verwertet wird. Du möchtest sicher nicht, dass ein großer Verlag daherkommt, und deine Doktorarbeit einfach ohne dein Einverständnis in einem Buch veröffentlicht und damit Geld verdient, ohne dich zu beteiligen. Dass dich der Staat davor schützt – z.b. mit dem Urheberrecht – nennt man auch „Schutz DEINES geistigen Eigentums“ .

  4. Tom Levine schrieb am

    Genau, lieber Kollege: Es geht um Geschäftsmodelle. Und alles, was ich bei Piraten dazu lese, ist das große Blablabla und wir sind doch alle Freunde und nachher geht das sowieso. Behauptungen und vage Begriffe, auf die ich weder ein Geschäftsmodell noch vielleicht eine kreative Karriere aufbauen kann. Zumal, Stichwort liquid democracy, sich die Windrichtung ja morgen auch wieder ändern kann bei den Piraten. Und dann heißt es vielleicht auch: Nein, keine Bezahlung mehr für Urheberrechte.
    Übrigens: Dass Sie Ihre Verträge so ausgehandelt haben, dass weitere Autoren mit Ihrem Material machen können, was sie wollen, hat nichts mit Urheberrecht zu tun, sondern mit mangelnder Professionalität auf Ihrer Seite. Aber für Ihre Rechte haben Sie ja vielleicht sogar Geld bekommen. Die Alternative, die die Piraten überall hochjauchzend beschreiben, heißt offenbar Hoffnung, dass irgendjemand flattrt oder über Werbung bezahlt (auch genannt: die Blödensteuer). Ich habe auf diesen Websites jedenfalls noch nichts wirklich Konkretes dazu gelesen. Und ich suche schon ne ganze Weile.

  5. Dennis L. schrieb am

    „Aber dann lasst uns bitte so ehrlich sein und über Geschäftsmodelle debattieren, statt den Schutz von „geistigem Eigentum“ und Kultur vorzuschützen.“

    Dann muss man aber auch Formulierungen wie „Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum“ überdenken. Das ist ein Vorschützen von kulturellen Beweggründen und Absichten, obwohl es um eine Auseinandersetzung mit Geschäftsmodellen geht und die Bereitschaft, Vergütungen auf die eine oder andere Weise zu akzeptieren oder nicht.

    Ich bin neuer Pirat, gerade beigetreten. Jedoch nicht wegen der Positionen zum Urheberrecht. Die Urheberrechtsdebatte liegt mir im Magen, denn ich kann die Positionen der Piratenpartei nicht zu 100% stützen. Ich will meine Ideen einbringen, denn die bisherigen Ansätze scheinen mir nicht zuende gedacht. Denn genau dort, wo das Wort „Geschäftsmodell“ auftaucht, geht es um klare Konzepte und Rechnungen, aber auch um Wertschätzungen in einem ideellen Sinne, die einfach noch nicht ausreichend benannt sind.

    • mbraun schrieb am

      Es stellt sich allerdings die Frage, ob Geschäftsmodelle für Firmen in Wahlprogrammen oder sonstigem festgehalten werden sollen. Ich glaube wenn die Politik èn detail bestimmt wie Unternehmen arbeiten sollen, führt das tatsächlich zu einer Katastrophe. Vielmehr geht es ja um das Angebot, mit den Urhebern, den Verwertern und anderen Beteiligten Vorschläge zu erarbeiten. Da können die Piraten Ideengeber sein, aber niemals die Unternehmen davon entbinden ein wettbewerbsfähiges Modell zu entwickeln.

      Es ist bereits heute so, dass Musik und Filme in großem Stil getauscht werden. Den Umsätzen der Verwerter hat das wenig geschadet, ebenso ist es Fakt dass „neue“ Vertriebsmodell wie iTunes enormen Erfolg haben. Menschen sind bereit für Kunst und Kultur zu zahlen, nur vielleicht nicht mehr im Plattenladen und den vollen Preis für ein Stück Content das man einmal und dann nie wieder konsumiert. Es kann jedenfalls nicht Aufgabe von Politik sein, einigen wenigen Unternehmen die Umsätze zu sichern und veraltete Geschäftsmodelle zu beschützen die dazu führen dass zehntausende Menschen wegen Bagatelldelikten zu hohen Geldstrafen verklagt werden.

  6. Stefan schrieb am

    Ich selbst bin Künstler und sehe das größte Problem für mein Schaffen in der Exstenzfrage. Das Urheberrecht ist mir wirklich völlig egal. Es soll nur mein Name drunter stehen und kein anderer.
    Es wird doch nur deshalb wichtig, dieses sogenannte Recht, weil wir unter Existenzdruck stehen. Ich musste mir plötzlich „Marketing“ einfallen lassen. Und die Kunst wurde immer weiter in den Hintergrund gerückt. Schließlich gab ich es auf, weil ich im Kreativen nicht mehr weiterkam. Ich gebe nicht die Kunst auf, sondern das Existierenwollen damit.
    Dieses Programm Künstlersozialkasse, geknickt. Wie soll das gehen, wenn man sein Talent nicht ausreifen lassen kann? Weil man keine Zeit hat? Weil man genötigt wird durch Existenzangst? Ich gucke mich zudem um, wie und was andere machen und – pardon : DA SEHE ICH VIEL SCHROTT. Viel zu schnell unters Volk gebracht, Hauptsache „man ist dabei“, hält sich über Wasser.
    Wenn es zB bedingungsloses Grundeinkommen gibt, kann der Künstler endlich machen, was er will, und nicht was ein Markt verlangt, der zudem durch die ganze Gesellschaftsexistenzangst drangsaliert wurde, und Menschen nur noch Schnellkonsumenten sind.
    Aber es muss noch nicht mal zum BGE kommen. Es ist doch nur wichtig, dass der Künstler etwas davon hat, Kunst zu machen! Es lassen sich viele Regelungen denken, wenn nur das übergeordnete System , also in dem wir alle leben (!) gerechter ist. So liesse sich zB aus einem Fond, das sein Geld ähnlich wie Steuern rekrutiert, die Talentierten großzügiger bezahlen, aber nicht mehr wie Stars. Dieser ganze Hype um das „durch Sharing geklaute Geld“, das ginge doch nur zu den Stars, anteilig sind sie es, die die ganze „Verwertungsinhaber“ legitimieren. Während viele Künstler kaum existieren können.
    Was mich traurig macht, ist dass viele Künstler bereits von diesem System hypnotisiert sind, besser gesagt, von der Existenzangst hypnotisiert, und deshalb darauf pochen, ihren letzten Rest zu behalten. Den das System ihnen lässt.
    Sie sollten begreifen, dass es nicht an einem einzelnen Faktum oder Symptom liegt, sondern am ganzen System. Meine Meinung und Schlußfolgerung.
    Wo bleibt eigentlich die Kunst? Was war mal mit Goethe? Hat der Kunst gemacht, um Geld zu machen, oder um Werte zu schaffen? Das bleibt völlig auf der Strecke. Ob Musiker oder Maler oder sonstwer. Wir müssen produzieren, das DARF so nicht sein, das ist verkehrt. Wir MÜSSEN unsere Kunst machen, auch wenn sie nicht ankommt, weil sonst verkaufen wir unsere Seele. Und das muss allen erlaubt sein, und man muss ja nicht gleich erlauben, dass jemand Tonnen von Farben nur so zum Spaß vergeudet. Man kann allen was geben, im Maß. Das System gibt vielen Übermaß und anderen Untermaß.

    • Olli schrieb am

      „Wo bleibt eigentlich die Kunst? Was war mal mit Goethe? Hat der Kunst gemacht, um Geld zu machen, oder um Werte zu schaffen? “

      1. Goethe stammte aus reichem Hause,. Von den Zinsen des ererbten Geldes seiner Eltern hatte er weitaus mehr als nur ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ (BGE). 😉

      2. Goethe war studierter Jurist und im Staatsdienst tätig. Als Geheimrat des Herzogs von Sachsen-Weimar erhielt er im wahrsten Sinn des Wortes ein fürstliches Salär.

      3. Aus 1. und 2. folgt, dass Goethe es also schlichtweg niemals nötig hatte, mit der von ihm verfassten Literatur Geld zu verdienen. In dieser beneidenswerten Lage befinden sich (und befanden sich auch damals) aber nur die allerwenigsten Künstler. Bis zur „Erfindung“ der Massenkultur waren Künstler i. d. R. von ihren Patronen und Mäzen abhängig, d. h., sie schrieben, malten, komponierten, waren als Bildhauer und Architekten aktiv im Auftrag reicher Gönner und sicherten so ihre Existenz. Verloren sie ihren Gönner (durch dessen Tod oder weil sie in Ungnade fielen), so konnten sie nur hoffen, dass sie entweder einen neuen Patron fanden oder bis dahin schon genug Geld verdient hatten. Die Alternativen waren nämlich äußerst, nun ja, drastisch; es gab nämlich nicht einmal Hartz IV.

  7. Christoph schrieb am

    Aber dann lasst uns bitte so ehrlich sein und über Geschäftsmodelle debattieren, …

    Warum tust Du es dann nicht? Ich habe diesen Text gelesen, weil ich endlich mal wissen wollte, welche Geschäftsmodelle die Piraten vorschlagen. Wieder Fehlanzeige. Nichts, Null, nada!

    • skreutz schrieb am

      Weil der Fokus dieses Artikels ein anderer ist. Ich weiß nicht, ob es die Aufgabe einer politischen Partei sein soll, Geschäftsmodelle für Unternehmer zu entwickeln. Ich kann da als Privatperson allerdings gerne ein paar Ansätze mitgeben, mit denen ich mich aktuell auch in akademischer Hinsicht beschäftige.

      Ich skizziere nochmal kurz die Grundkonstellation im digitalen Markt, um einen Überlegungseinstieg zu liefern: Die Urheberrechtsdebatte tritt nur bei jenen Geschäftsmodellen auf, welche die Monetarisierung unmittelbar bei der Bereitstellung der Inhalte vornehmen (es gibt schon längst diverse andere Monetarisierungsmethoden, z.B. Free2Play). Das ist ein klassisches Abverkaufsmodell, welches aus der realweltlichen Ökonomie stammt, wo sämtliche Güter einer natürlichen Knappheit unterliegen. Im digitalen Umfeld haben wir das Problem, dass sämtliche Inhalte durch jeden Teilnehmer unbegrenzt repliziert und zur Verfügung gestellt werden können, so dass das Angebot ins Unendliche gesteigert wird. Nach der klassischen Ökonomie müsste der Preis also auf null sinken, in der Realität tut er das aber für die meisten Nutzer nicht, denn gerade mal 2% der Nutzer digitaler Inhalte sind notorische Filesharer. Es gibt im Wesentlichen drei Motivatoren, die den Nutzer auch im Abverkauf digitaler Inhalte trotzdem zur Zahlung bringen:

      Komfort
      Barrierearme, einfach zu bedienende Online-Stores laden zum Einkaufen ein und bedeuten für den Nutzer oft ein größeres Sicherheitsempfinden (keine Viren o.ä.) und vermeiden Frickeleien. Erfolgreiche Beispiele dafür sind iTunes und Steam.

      Wertschätzung
      Den meisten Nutzern ist klar, dass ein Künstler oder Unternehmen keine Inhalte ohne Monetarisierung bereitstellen kann. Wer die Inhalte schätzt und es sich leisten kann, trägt in der Regel auch seinen Teil dazu bei, dass der entsprechende Urheber weiter interessante Inhalte entwickeln kann. Hier zeigt sich insbesondere, dass Nutzer freier Software (Linux, Open Source) im Schnitt eine bis zu doppelt so hohe Zahlungsbereitschaft haben wie Windows-Nutzer.

      DRM
      Ist die technische Kompetenz nicht vorhanden, greifen User auch auf wenig beliebte kopiergeschützte Werke zurück. In der Praxis hat sich hier aber ein Katz- und Mausspiel entwickelt, welches in der Abstrafung ehrlicher Käufer endet und notorische Filesharer nicht mal tangiert. Diese Variante als Geschäftsmodell ist also langfristig wenig praktikabel, zumal auch die technische Kompetenz mit den kommenden Generationen an Nutzern steigt.

      Was also tun, wenn von technischer Seite das Tauschen von Inhalten nicht verhindert werden kann? Die naheliegendste Idee ist es, den Prozess des Sharings selbst zu monetarisieren. Junge User werden von sozialen Netzwerken wie facebook, twitter oder YouTube regelrecht dazu sozialisiert, das Teilen von Inhalten jeglicher Art als etwas vollkommen selbstverständliches wahrzunehmen – schließlich lädt jeder einzelne Beitrag mit einem „Share“ Button direkt dazu ein. Darüber hinaus sind diese sozialen Netzwerke zu den Content-Gateways der Nutzer geworden. Früher wurde gerne Google als Startseite genommen und drauf los gesucht, heute entdecken User Inhalte über ihren facebook Stream. Ein Ansatz könnte also sein, eine Monetarisierung im Rahmen des dort stattfindenden Sharing-Prozesses zu etablieren. Entweder unmittelbar beim Prozess selbst (das setzt eine Kooperation der Plattformen voraus) oder als Post-Paid-Methode.

      1. Pay while you share
      Modelle wie die Kulturflatrate sind unpraktikabel, weil sie den Nutzer in seiner Konsum-Autonomie stören und gleichzeitig einen enorm manipulierbaren Verteilerschlüssel haben. Das Modell einer Flatrate, die dem Nutzer die Entscheidung der Bezahlung überlässt, scheint da wesentlich sinnvoller. Ein auf soziale Netzwerke übertragbares Modell könnte hier flattr sein: Der Nutzer zahlt monatlich einen variablen Betrag und wenn er auf einen Share-Button klickt, kann er nicht nur den Inhalt teilen, sondern einen Teil seines Budgets dem Autoren zur Verfügung stellen.

      2. Post paid
      Diese Variante setzt auf das „try before you buy“ marketing, das EMI Music postuliert hat: Nutzer bedienen sich gerne an kostenlosen Inhalten, bevor sie die Katze im Sack kaufen. Das trifft besonders auf hochpreisige Produkte wie Computerspiele zu. Das Problem: selbst bei Zahlungswillen setzt schnell die menschliche Faulheit ein. Die Datei ist schon auf der Platte, warum sich also nochmal in einen Shop bemühen?
      Eine Lösung für dieses Problem könnte ein niedrigschwelliges Post paid System sein, welches es dem Nutzer mit einem Klick ermöglicht, dem Autoren nachträglich direkt aus dem Medium heraus Geld zukommen zu lassen.

      Beide Varianten setzen natürlich einen größeren Paradigmenwechsel voraus: Einerseits bedarf es offener Dateiformate, die entsprechende Metadaten enthalten, um auch im Payment-System beim Sharing verrechnet werden zu können. Darüber hinaus würde die Zahlungsmotivation nicht mehr darin liegen, Inhalte zu erwerben. Vielmehr würde sie sich dahin wandeln, dem Künstler weitere Arbeit zu ermöglichen.

      Im Gegensatz zu repressiven Maßnahmen oder pauschalen Lösungen wie der Kulturflatrate würden solche Ansätze auch die nötige Flexibilität bieten, um Weiterentwicklungen vorzunehmen und z.B. neue Medientypen zu integrieren.

      • Christoph schrieb am

        Du hast sicherlich Recht, dass eine Partei keine Geschäftsmodelle entwickeln kann oder gar soll, aber die Politik muss die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen und sie muss vor allem den gesellschaftlichen Diskurs anregen. Dazu würde gehören, dass sich die Piraten mal für eines der Modelle, die Du hier beschreibst, entscheiden und versuchen, es den Menschen schmackhaft zu machen. Die Grünen beispielsweise haben das getan, indem sie sich für eine Kulturflatrate ausgesprochen haben.

        Dass man bei digitalen Gütern ein Überangebot habe, weil man alles beliebig kopieren kann, ist eine falsche Grundannahme. Man kann das Produkt beliebig vermehren, aber nicht das Angebot. Durch das Kopieren eines Albums entstehen ja nicht mehr Alben, sondern mehr Kopien eines Albums. Die Musik selbst muss erst noch komponiert, eingespielt, produziert und vermarktet werden. All das kostet Geld und es ist fraglich, ob sich das noch lohnt, wenn anschließend nur wenige Alben verkauft, aber viele kopiert werden.

        • skreutz schrieb am

          Aus Konsumentenperspektive zählt das fertige Produkt als Angebot, nicht der Schaffensprozess dahinter. Eine Kopie, die aus einer Nachfrage heraus entstanden ist, zieht keinen weiteren Schaffensprozess nach sich, was bei einem physikalischen Produkt der Fall wäre. Wobei auch hier Entwicklungen in der industriellen Fertigung absehbar sind, die das stark relativieren könnten. Stichwort: 3D-Drucker. Da kommt in absehbarer Zeit sicher noch eine Urheberrechts-Debatte auf uns zu, die viele noch gar nicht auf dem Schirm haben.

          Ich denke, dein letzter Punkt ist die entscheidende Frage, an der sich die Meinungen entzweien: Steht eine technisch nicht blockierte Kopierbarkeit in negativer Korrelation zur Zahlungsbereitschaft? Nach den Forschungsdaten die mir vorliegen, ist das nicht absehbar. Der US-Filmmarkt wurde kürzlich auf Schäden durch unlizensierte Kopien untersucht, dabei stellte man fest, dass innerhalb der USA kein Schaden nachweisbar war. Lediglich im Übersee-Vertrieb trat ein Schaden von bis zu 7% auf. Aber nur dann, wenn deutliche zeitliche Verzögerungen im Spiel waren. Die Studie „copy culture in the US and Germany“ kommt da zu ähnlichen Ergebnissen, dass nämlich nur 2% der Nutzer als notorische Filesharer angesehen werden können. Vielmehr geht man inzwischen davon aus, dass Kopierschutzmaßnahmen sogar den Absatzmarkt beschränken. Ein Großteil der Filesharer nutzt nämlich nur sporadisch unlizensierte Kopien, aus verschiedensten Gründen. Technische Schutzmaßnahmen müssen inzwischen sehr aggressiv sein, um überhaupt technisch effektiv zu sein. Hierbei sinkt aber die Akzeptanz seitens der Nutzer massiv, wodurch diese eher zu einer unlizensierten Kopie greifen, die mit keinerlei Einschränkungen einher kommt.

          Um nochmal auf meinen Eingangstext einzugehen: EMI & Co. haben selber auch intensiv Marktforschung betrieben und sie würden sicher nicht selber Inhalte in Tauschbörsen einstellen, wenn dadurch kein zusätzlicher Gewinn abfiele. Ich habe kürzlich selber mal das Zahlungsverhalten der Leute beim Humble Indie Bundle untersucht. Falls du es nicht kennst: Es handelt sich dabei um Aktionspakete von Independent-Entwicklern, bei denen der Nutzer selber bestimmen kann, wieviel er dafür zahlt. Es lässt sich durchgängig beobachten, dass Linux-Nutzer im Schnitt doppelt soviel bezahlen wie Windows-Nutzer. Erklären ließe sich das damit, dass Linux-Nutzer sich stark im OpenSource-Umfeld bewegen und eine ganz andere Mentalität / ein anderes Konsumverhalten haben. Ich glaube, das gilt es eher zu stärken, denn drakonische Maßnahmen (die einzig technisch wirksamen gegen unlizensiertes Kopieren) senken eher noch die Zahlungsbereitschaft.

          An das Thema muss man glaub ich mit einer gewissen wissenschaftlichen Coolness herangehen, damit man nicht von falschen Prämissen ausgeht. Leider erlebe ich immer wieder, wie sich die größeren Konzerne und Verbände unserer Kreativbranche schräge Fantasiezahlen zusammenreimen. Das schadet der Glaubwürdigkeit der Urheberschaft allgemein. Als Tipp dazu ein recht unterhaltsamer Vortrag zu „Copyright Math“ von einem Comicautoren bei TED: http://www.youtube.com/watch?v=GZadCj8O1-0

  8. Peter Masus schrieb am

    Was ist mit der Kombination von BGE (Existenz gesichert) und Flattr als urdemokratische Internet-Bezahlmethode (Finanzierung).

    Sollte man mal in die Debatte ums Urheberrecht einfließen lassen. Denn es geht ja heutzutage (ohne BGE) um die Existenz von Künstlern die auf dem Spiel steht und Sie sich deshalb so ans derzeitige Urheberecht klammern. Hätten wir BGE könnten wir viel freier mit Urheberrechten umgehen, da niemand mehr in seiner Existenz gefährdet ist.

  9. Th. Bode schrieb am

    Mal ganz konkret:
    ich habe 2 Monate an einem E-Book gearbeitet. Es beinhaltet u.a. auch Video der auf einer Fernreise gedreht wurde, bei der u.a. ein neues 500.- Eu-Objektiv zu Bruch ging. Zur Produktion wurde teure Hard- und Software eingesetzt. Jetzt ist das E-Book fertig und soll angeboten werden.
    Wie soll ich aus Piratensicht damit Geld verdienen (Betriebsausgaben wieder reinholen + 2 Monate leben)?
    Das würde mich brennend interessieren!

    (Ich bin auch Mitglied geworden, aber eher wegen der erfrischenden und konstruktiven Impulse für unsere Demokratie. Bzgl. des Urheberrecht-Themas habe ich noch große Fragezeichen. )

  10. Enno Lenze schrieb am

    Wieso werden hier eigentlich alle Verlagsmanager so undifferenziert als schlechte Menschen in einen Topf geworfen?Also wo habe ich in meinen Verträgen versucht das Urheberrecht abzuschaffen!? „Liebe Schlipsträger, Verlagsmanager und PR-Leute: Bei der Mühe, die ihr euch gebt, mit eurer Vertragsausgestaltung das Urheberrecht abzuschaffen, braucht ihr erst gar nicht auf andere zu zeigen.“

    Gruß, Enno (Pirat und Verleger)

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