Unwissenheit und Hass auf den Regenbogen

(CC-BY) Ludovic Bertron

Von Peter @KpeterlBW Laskowski.

Podiumsdiskussion am Mittwoch, 26. Februar um 20 Uhr auf der virtuellen Diskussionsplattform der Piraten. Details findet ihr am Ende des Artikels.

»Die Verankerung der Akzeptanz gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen (LSBTTIQ) im baden-württembergischen Bildungsplan 2015 schlägt seit Wochen hohe Wellen. … Am Begriff der ›Akzeptanz sexueller Vielfalt‹ in einem Arbeitspapier zum Bildungsplan … erhitzen sich die Gemüter.« Dieses Zitat schildert die Stimmung der letzten Woche im Ländle durchaus realistisch, wann immer die Rede auf den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung kommt. Doch die Angriffe gegen diesen Bildungsplan stammen keineswegs nur aus Baden-Württemberg selbst: Bundesweit gehen homophobe Gruppen und Organisationen dagegen an. So sind fast zwei Drittel der Unterzeichnenden der Petition »Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens« Menschen, die nicht in Baden Württemberg leben.

Orientiert an einem Sprachgebrauch, wie er in der Russischen Föderation gang und gäbe ist (und somit dem Vorbild eines Landes folgend, in dem der Inhalt des Bildungsplans als »homosexuelle Propaganda« unter Strafe stehen würde), fordern die Gegner den »Stopp einer propagierenden neuen Sexualmoral«, schreiben von einer drohenden »Umerziehung unserer Kinder« und erklären Homosexualität schlicht zum »Lebensstil«. Die Gegner des Bildungsplans behaupten, die Thematisierung von LSBTTIQ-Themen im Unterricht sei gefährlich, weil ein solcher LSBTTIQ-Lebensstil »negative Begleiterscheinungen« habe – zum Beispiel eine »höhere Suizidgefährdung unter homosexuellen Jugendlichen«. Hierdurch wird suggeriert, dass LSBTTIQ-Jugendliche nicht etwa unter dem Druck ihrer heteronormativen Umgebung leiden und zerbrechen, sondern die Gefahr einer Selbsttötung mit und durch die Entdeckung der eigenen sexuellen Identität steige. Diese zurechtgelegte Sicht der Dinge kommt einer intoleranten Umgebung, die sich fragwürdige Moral und Werte auf ihre Fahnen schreibt, zwar entgegen, hat aber mit der Wirklichkeit herzlich wenig zu tun. Vielmehr gehöre die Einsamkeit zu den großen Problemen junger Homosexueller, so Diplom-Soziologe Rainer Schütz, Geschäftsführer des Vereins »Nummer gegen Kummer«.

Eine wichtige Frage, die es zu beantworten gilt, lautet: »Wie aufgeklärt darf Schule sein? Wie viel Aufklärung muss sie leisten, damit Jugendliche sich ohne Angst vor sozialer Ausgrenzung zu ihrer Sexualität bekennen können?« Die mangelnde Sensibilität unter Schülern hat unter anderem auch etwas damit zu tun, dass zu wenig über das Thema gesprochen wird. Fakt ist doch: Vielleicht mehr noch als in der übrigen Gesellschaft ist Homophobie in deutschen Schulen ein Problem. »Schwuchtel« ist nach einer Studie der Humboldt-Universität Berlin ein gängiges Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen. Homophobie wird in der Schule oftmals toleriert und verharmlost. Lesbische und schwule Schüler leiden unter ihrem homophoben Umfeld und leben in ständiger Angst vor Enttarnung.

Diesen Missständen will der Bildungsplan 2015 entgegensteuern. Er soll Ängste abbauen und Normales endlich zur Normalität werden lassen. Und das ist auch gut so.

Was genau beinhaltet das Arbeitspapier, in Bezug auf sexuelle Vielfalt? Wie funktioniert ein Bildungsplan und warum ist er gerade in Baden-Württemberg so etwas Besonderes?Warum ist die Vermittlung von »Akzeptanz sexueller Vielfalt« gerade für Jugendliche, die zur Gruppe der LGTTIQ Menschen gehören so wichtig?

Wer sind die Gruppen und Organisationen, die den Widerstand gegen den Bildungsplan tragen und die Online-Petition »Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens« getragen haben?

Diese Fragen wollen finio @finioserra , Stevan @ResEuropae Ćirković, Europalistenkandidat der Piraten, und Peter @kpeterlbw Laskowski von den Queeraten am 26. Februar 2014 um 20 Uhr auf der virtuellen Diskussionsplattform Mumble NRW der Piraten im Raum »Dicker Engel« stellen, beantworten und mit euch diskutieren. Ihr könnt die Veranstaltung auch live im Piratenradio »Nebelhorn« verfolgten.


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