Big Brother Awards 2015 – Bielefeld

Bild: CC-BY-SA Wikimedia-User High Contrast

padeluun-veit-mette-ohne-VerlustWas sind die BigBrotherAwards?

Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland die BigBrotherAwards an Firmen, Organisationen und Personen verliehen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen. 

Anhand von konkreten und tief recherchierten Beispielen setzt der Verein Digitalcourage e.V. so das Thema auf die politische Agenda und ist eine feste Stimme in der deutschen Datenschutzbewegung. Die BigBrotherAwards sind ein internationales Projekt: In bisher 19 Ländern wurden fragwürdige Praktiken mit diesen Preisen ausgezeichnet.

Die BigBrotherAwards werden in diesem Jahr wieder verliehen, am 17. April in der Hechelei im Ravensberger Park in Bielefeld.

 

Wir haben dazu ein paar Fragen an den Datenschützer und Internetaktivisten padeluun von Digitalcourage gestellt.

 

Wie ist es zu diesen Awards gekommen, gab es einen besonderen Auslöser dazu?

padeluun:

Wir hatten vor 2000 immer gegrübelt, wie wir das Thema „Datenschutz“ in die Öffentlichkeit tragen könnten. Es gab zwar viele Journalistinnen und Journalisten, die über das Thema schreiben wollten, aber deren Redakteure behaupteten immer, dass das keinen interessieren würde. Mit dem Preis haben wir einen Anlass geschaffen, der berichtenswert ist. Die ursprüngliche Idee kam aus England. Dort wurde der BBA 2008 zum Ersten mal vergeben. 2009 gab’s den Preis auch in Österreich – und dann fragte uns eine Journalistin, ob wir den Preis nicht nach Deutschland holen wollten. Wir sagten spontan ja. Das hatten wir davon, und nun gibt’s unsere 15. Verleihung.

Hat sich in all den Jahren, in denen Ihr den Preis verleiht, danach bei den entsprechenden Ausgezeichneten etwas verbessert?

padeluun:

Oh ja. Wir sehen allenthalben, dass sich viel verändert hat. Erstens hat sich das Bewusstsein für Datenschutz in der Bevölkerung immens gewandelt. Die Menschen verstehen jetzt eher, was sie nicht verstehen. Wir hatten nach den BigBrotherAwards 2003 die Demo gegen die Metro AG und den Erfolg, dass die Metro AG den in den Payback-Kundenkarten heimlich einbrachten RFID-Chip entfernt hat und alle Karten ausgetauscht hat. Da haben viele Leute, die bis dahin schon verzweifelt waren, gesagt: Oh, man kann ja DOCH etwas verändern. Anschließend ging es mit den Protesten gegen die Vorratsdatenspeicherung und das Zensurgesetz weiter. Hier hat viel ineinander gegriffen – und ich denke, die BigBrotherAwards haben einen großen mutmachenden Anteil daran.

Auch Unternehmen selbst verhalten sich teilweise anders. Wird eine „Schuld“ zu den BigBrotherAwards noch abgestritten, habe etliche klandestin in den Jahren danach ihre bösen Praktiken geändert.

Aber gerade jetzt heißt es, wachsam bleiben und nicht nachlassen. Denn auch die, die alle anderen überwachen und kontrollieren wollen, haben ihre Werkzeuge geschärft, Kreide gefressen und kommen auf mal leisen Sohlen und manchmal in Schnürbundstiefeln daher, um die kleinen unbeugsamen gallischen Dörfer zu schleifen.

Glaubst Du, dass sich die totalitären und undemokratischen Tendenzen weiter verstärken werden?

padeluun:

Das hängt ganz von uns ab. Machen wir was – und zwar möglichst Sinnvolles oder geben wir auf, legen uns auf den Rücken und bieten unsere Kehlen zum Reinbeißen an. Ich mache das seit dreißig Jahren und habe mir eins geschworen: Aufgeben? Niemals! Und es gibt Hoffnung: Die meisten verstehen die Komplexität der digitalen Vernetzung, Speicherung und Aggregation gar nicht. Deswegen erscheint es auch so schwer, diese Menschen zu überzeugen. Wenn wir aber einfache und freundliche Worte finden – und sinnvolle Gesetze machen, die allen helfen, nicht zu Datenkraken zu werden, dann wird das schon was, mit der guten Zukunft.

Sind wir über den „Point-of-No-Return“ bereits hinaus, oder können wir alle gemeinsam noch etwas verbessern?

padeluun:

Es ist nie zu spät. Und im Zweifelsfall hat Michi vom AK-Vorrat-Lauti auch schon das Datum für die Revolution festgesetzt: 30. August 2032. Diese Revolution gilt es, unnötig zu machen 😉

Können wir Euch helfen?

padeluun:

Aber klar. Das wichtigste zu allererst genannt: Werdet Mitglied bei Digitalcourage. Und spendet. Denn ohne eine gefüllte Kasse für gute politische Arbeit wird es schwer gegen die milliardenschweren Konzerne und Interessen anzukommen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Interview: Timecodex / Foto: Veit Mette | honorarfrei


Kommentare

Ein Kommentar zu Big Brother Awards 2015 – Bielefeld

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