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Das Impf-Dilemma in NRW

Zu wenig Impfstoff, das mediale Chaos rund um Astra Zeneca, Impfzentren mit Behördenöffnungszeiten und widersprüchliche Informationen on- und offline. Wie läuft es mit dem Impfen in NRW?

Laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sollen ab 08. April bereits Menschen ab 70 Jahren gegen Corona geimpft werden und das, obwohl man noch nicht in allen Kreisen mit den Impfungen der über 80-jährigen fertig ist. Doch wie läuft das eigentlich ab?

  1. Zunächst wird man gebeten, die Seite https://www.116117.de aufzurufen.
  2. Von dort wird man weitergeleitet auf https://www.116117.de/de/corona-impfung.php
  3. Als nächstes muss man sich unter https://www.116117.de/de/corona-impfung.php#content1043 das richtige Bundesland aussuchen.
  4. In NRW angekommen muss zwischen den Bereichen Nordrhein/Rheinland und Westfalen-Lippe unterschieden werden.

Im Bereich „Westfalen-Lippe“ ist zu lesen: „Bitte beachten Sie folgenden Hinweis: Aufgrund der hohen Nachfrage kommt es bei der Vergabe von Impfterminen zu Verzögerungen und Wartezeiten. Jeder, der impfberechtigt ist und sich impfen lassen möchte, wird einen Termin erhalten. Wir bitten um Geduld,“ und weiter: „Hinweis: Die Onlinebuchung ist bis auf weiteres nicht verfügbar.“
Im Bereich „Nordrhein/Rheinland“ kommt man einen Schritt weiter und kann sich unter https://termin.corona-impfung.nrw/home tatsächlich für einen Termin registrieren.

Reinhart Beckmann, PIRAT aus Duisburg schildert wie folgt:

„Das Anmeldeformular der KV-Nordrhein fragt nicht nur nach Namen und Adresse, sondern auch nach dem Geburtsdatum. Wenn diese Person nicht das passende Alter hat, wird der Anmeldevorgang abgebrochen. Es wird nicht danach gefragt, ob eine besondere Vorerkrankung vorliegt, die eine andere Einstufung zulässt als die dem Alter entsprechend.“

Dabei hatte unter anderem der WDR letzte Woche Folgendes berichtet: „Viele von ihnen (chronisch Kranke und andere Vorerkrankte; Anm. d. Redaktion) dürfen in den Impfzentren laut Ministerium schon ab sofort geimpft werden, sofern es dort freie Impfstoffkontingente gibt.“ Auf Nachfrage hat der WDR dazu aus dem NRW Gesundheitsministerium erfahren, dass „Sofern ein Impfzentrum ein solches Zusatzangebot einrichtet, werden die Kreise und kreisfreien Städte hierzu in geeigneter Weise (in der Regel im Rahmen von Presse und Öffentlichkeitsarbeit) aufmerksam machen.“

Sandra Leurs, Gesundheitspolitische Sprecherin der Piratenpartei und designierte Bundestags-Spitzenkandidatin der Landesliste Nordrhein-Westfahlen fordert:

„Vorallem für Menschen, die nicht so internetaffin sind, brauchen wir einfache Lösungen und funktionierende Online-Formulare. Menschen, die offline leben, sollten von Seiten der Kommunen mehr Unterstützung bekommen.
Mit Blick auf die verfügbaren Mengen an Impfstoff ist es zurzeit für jeden ein Lotteriespiel. Der Run auf die Impftermine hat unter den 70 Jährigen begonnen. Viele davon mit Vorerkrankungen. Auch die Ü 60 Jährigen mit Vorerkrankungen warten auf einen Impftermin, es wird immer enger. Gerade weil der Impfstoff knapp ist, ist eine nachvollziehbare Verteilung wichtig.“

Unsere Vorschläge:

  • ein besseres Anmeldeformular, dass alle möglichen Prioritären innerhalb der aktuellen Gruppe und Einstufungen zulässt und keine Person aus dem Anmeldevorgang nur aufgrund seines Lebensalters ausschließt, wenn noch andere Faktoren vorliegen, die eine andere Einstufung zulassen.
  • eine weitsichtige Terminvergabe in der Zukunft. Wenn ein passender Termin vorhanden ist, sollte dieser auch genutzt werden statt zu verfallen. Dies fördert unserer Meinung nach die Impfhäufigkeit und Impfdichte.
  • mehr Personal, um die Wartedauer am Telefon zu minimieren.