Adventskalender – 21. Dezember: Über ‚bungang‘ und Rettungsroutinen

20.12.2012, 23:45 Uhr CET
Mit den Worten „Ich muss für unseren Adventskalender noch einen Artikel über den Weltuntergang schreiben“, quäle ich mich von der Couch. „Aber, wenn morgen wirklich die Welt untergeht, liest das doch eh keiner mehr“, wendet meine Freundin mit bestechender weiblicher Logik und nicht ganz zu unrecht ein. Auf dem Weg zum Arbeitszimmer geht mir irgendwas mit ‚Baum pflanzen‘ durch den Kopf. War es ein Apfelbaum? Später mal googlen.

21.12.2012, 00:01 Uhr CET
Die erste Minute des letzten Tages ist angebrochen. Noch ist alles ruhig. Ein schneller Blick in die Nachrichtenticker bestätigt meinen Eindruck. Bei der Deutschen Bank ist die Polizei in dieser Woche Stammgast, René Obermann verlässt die Telekom … halt! Im thailändischen Phuket muss ein Airbus einer deutschen Fluggesellschaft notlanden! Ich werde nervös. Aber erkenne dann schnell, dass es sich nur um eine bei Billig-Airlines mittlerweile alltägliche technische Störung handelt.

00:04 Uhr CET
Nun wird die Welt doch ein wenig untergehen. Zumindest für einige Piraten. Und ‚Die Welt‚ war am schnellsten. Marina Weisband hat bestätigt, was viele schon länger vermutet hatten. Sie wird zur Bundestagswahl nicht als Kandidatin antreten. Ich kann sie verstehen.

00:12 Uhr CET
Wo fängt der Weltuntergang eigentlich an? Und wann genau? Wird es ähnlich wie an Silvester sein, wenn TV- und Radiostationen bereits mittags über Feiern auf sonst unbekannten pazifischen Insel berichten und sich dann langsam westwärts vorarbeiten? Oder gilt eine der drei Zeitzonen in Mittelamerika, wo die Maya einst lebten? Warum muss das auch alles immer so kompliziert sein?

00:20 Uhr CET
Ist es Zufall, dass zum Wort des Jahres diesmal ‚Rettungsroutine‚ gekürt wurde? Unsere ‚Kanzlerpräsidentin‚ traf sich in den vergangenen zwölf Monaten bald jeden Mittwoch in Brüssel mit anderen europäischen Regierungschefs, um dort auszubaldowern, wie man Griechenland über’s Wochenende bringt.

Hätte sie am letzten Mittwoch nicht mal nach New York, dem Hauptsitz der UNO fliegen und dort über die Rettung der Welt beraten können? Ich bin mir sicher, wir hätten es ihr gedankt. Hatte sie doch nach jedem erfolgreichen und als alternativlos erklärten Rettungsschirm vor Optimismus und Überzeugungskraft nur so gesprüht.

00:21 Uhr CET
Apropos Schirm. Noch schnell einen Blick in Douglas Adams ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ werfen. Auch dort ging – bereits im ersten Kapitel – die Welt unter. Wie war das nochmal? Ah, ja: Don’t panic! Handtuch: Check! Erdnüsse für den Mineralhaushalt: Check! Mindestens drei Bier trinken? Mist, ich hab nur Wein zu Hause. Muss auch gehen.

(Quelle: Twitter)

00:38 Uhr CET
Unsere Tochter wird wach und verlangt lautstark nach ihrer üblichen Milch. Wie erkärt man einem zweijährigen Mädchen, dass die Welt heute untergehen wird? Oder in ihrem Sprachschatz ausgedrückt: „bungang“ (Anmerkung des Übersetzers: kaputt gegangen). Mit der unmissverständlichen Anweisung „Papa, heile!“ würde sie mir wahrscheinlich ungeduldig den Globus in die Hand drücken. Wenn’s denn immer so einfach wäre.

00:50 Uhr CET
Das Nacht-Journal im ZDF macht mit dem Satz ‚Hurra, wir leben noch‚ auf. Weiß der Moderator eigentlich um den Ursprung dieses Zitats? Im anschließenden Einspieler berichten Reporter aus verschiedenen Kontinenten über die ersten Anzeichen des kommenden Weltuntergangs. Entweder wird da wieder unglaublich geaast mit unseren GEZ-Gebühren, oder es ist wirklich ernst bestellt um Mutter Erde. So oder so, ich bin beunruhigt.

01:05 Uhr CET
Mir fällt immer noch keine einzige originelle Zeile zu unserem Weltuntergang ein. Es ist bereits alles gesagt und geschrieben. Der Gag mit den Weihnachtsgeschenken, um die man sich dieses Jahr keine Gedanken mehr zu machen braucht, ist ausgelutscht. Online suche ich trotzdem noch nach einem Last-Minute-Präsent und bestelle per Premium-Versand. Sicher ist sicher.

Ciao

Achim


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