Weltflüchtlingstag – Refugees welcome!

Hier ein Gastbeitrag von Holger Hennig aka @Hollarius zum Weltflüchtlingstag.

Die NRW-Piraten feiern diesen Tag in Bielefeld mit vielen anderen Gruppen mit. [1]

 

Refugees Welcome!

Was bedeutet das eigentlich? Flüchtling zu sein, zu flüchten? Ich weiß das nicht aus eigener Anschauung, ich bin sehr froh, dass das so ist. Ich habe es aber sehr direkt aus zweiter Hand erfahren. Meine Großmutter ist aus Ostpreußen geflohen, mit meinem damals zweijährigen Vater auf dem Arm, meiner Tante an der Hand. Immer wieder hat sie davon erzählt, und als ich so langsam erwachsen wurde, hat sie auch ziemlich schonungslos von ihren Ängsten, von ihrer Verzweiflung erzählt. Flüchtling sein ist etwas Schreckliches.

Vertriebenenkind zu sein, hat in mir nie die revanchistischen Gefühle ausgelöst, die die Vertriebenenverbände bis heute kultivieren. Mir war und ist es bis heute immer wichtiger, dass die Gründe verhindert werden, wegen denen Menschen zu Flüchtlingen werden. Aber was ist, wenn das Kind im Brunnen ist? Wenn Leute die Flucht auf sich nehmen? Dann versuche ich zu verstehen.

Ich überlege mir, was passieren müsste, dass ich flüchte. Was man mir alles nehmen muss, was man mit mir anstellen muss, wie viel Angst man mir machen muss, wie sehr man mir die Beine unter dem Körper weg ziehen muss, bevor ich flüchte. Wie wenig Hoffnung muss ich haben, bevor ich irgendwo hin gehe, wo man eine fremde Sprache spricht, wo ich nichts habe, als das, was ich am Körper trage, wo ich mich auf Gedeih und Verderb fremden Institutionen ausliefere? Wie viel meiner Würde muss man mir genommen haben, dass ich zu diesem Mittel Flucht greife?

Ihr kennt diesen Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ Er ist der Kern des Grundgesetzes, und wenn uns das Grundgesetz etwas bedeutet, sollte dieser Satz die Leitlinie unserer Politik sein. Flüchtlinge sind Menschen, denen die Würde genommen wurde, und wenn wir dem Grundgesetz folgen wollen, dann müssen wir ihnen die Würde zurückgeben. Ein Willkommen ist da nur der erste Schritt.

Flüchtlingen nicht weiter ihrer Menschenrechte zu berauben, das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Sie vor Rassismus zu schützen, sie an die Hand zu nehmen, wenn sie an die Hand genommen werden wollen. Ihnen die Möglichkeiten geben zu Arbeiten, Freunde zu besuchen und sich ein Leben hier aufzubauen, wenn sie ein Leben in ihrer Heimat nicht mehr finden werden, wollen oder können.

Geben wir ihnen ihre Würde zurück.

Quellen:
[1] Refugees welcome! http://bielefeldstelltsichquer.wordpress.com/2014/06/17/aufruf-zur-demo-refugees-welcome-gefluchtete-willkommen-in-bielefeld/

 

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Holger Hennig  Der Autor:

Holger Hennig (39)

Theaterpädagoge aus Berg Neustadt

Stellvertretender Pressesprecher NRW

Kontakt: Twitter und Blog

Politische Aktivitäten:

Mitglied im AK Kultur

Kandidat zur Bundestagswahl 2013

 


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