DU brauchst keine Erwerbsarbeit!

Landtag NRW

Gastbeitrag von Kai Schmalenbach, MdL der Piratenfraktion im Landtag NRW

DU brauchst keine Erwerbsarbeit!
was du wirklich brauchst ist eine (finanzielle) Ausstattung die es dir ermöglicht, dein Leben so zu leben wie du willst!

MdL Kai Schmalenbach Photo: Anke Knipschild

MdL Kai Schmalenbach
Photo: Anke Knipschild


Du brauchst keine Erwerbsarbeit um ein besserer Mensch zu sein.
Du brauchst keine Erwerbsarbeit um wertvoll zu sein.
Du brauchst keine Erwerbsarbeit um dich selbst zu verwirklichen.
Du brauchst keine Erwerbsarbeit um eine Stütze dieser Gesellschaft zu sein.

Warum schreibe ich das?
Ich schreibe das, weil mir die Politik von heute dermaßen gegen den Strich geht, dass es mir schwer fällt, das in Worte zu fassen, ohne rum zu schreien. Ich schreibe das quasi für mich, als Ventil, Dinge endlich mal zu sagen, für die man im Landtag belächelt, ausgelacht, oder im besten Fall, wie bei Michele Marsching in seiner zweiten Haushaltsrede, einfach nur ignoriert wird.
Was da los war? Michele hatte es gewagt, aus dem allgemeine Wahlkampfgetöse auszuscheren, er hatte es gewagt, aufzuzeigen, dass es eine positive Vision der Zukunft geben kann, er hatte es gewagt eine Geschichte zu erzählen, wie er sich die Zukunft vorstellt, wenn die Politik die Probleme löst, die auf dem Tablett liegen.
Statt dass diese Rede zu kontroversen Diskussionen führte, wurde sie ignoriert, gar in einer unverschämte Randbemerkung der Präsidentin, die „alle“ lustig fanden, „Das Klingeln gehört nicht zur Geschichte“ lächerlich gemacht. Diese gewiss lustig gemeinte Aussage, war an Arroganz nicht mehr zu überbieten. Sie bewies eindrucksvoll, wie die etablierten Politiker, auf die herunter schauen, die aus dem üblichem Schema: „Du bist doof!“ – „Nein du“- „immer zwei mal mehr wie du“, ausscheren. Dabei war die impertinente Bemerkung der Präsidentin nur das Sahnehäubchen, auf das arrogante respektlose Verhalten des Plenums, das nämlich demonstrativ den Redner ignorierend, sich mit dem Quatschen im Saal beschäftigte, wie ein Haufen spätpubertärer Pennäler.
Man kann die Rede, den Stil, den Inhalt von Michele Marschings Rede doof finden, man kann sie ablehnen, man kann sie ignorieren, ihn inhaltliche angreifen, ihn aber demonstrativ ignorieren und damit, in dem Fall, sehr laut, seine Geringschätzung zum Ausdruck zu bringen, ist an pubertierendem Gehabe nicht zu überbieten. Das komplette Plenum, vielleicht mit einigen Ausnahmen, hat bewiesen, dass es einen Haufen auf „die Würde des Hauses“ scheißt.

Zurück zur Geschichte, Michele Marsching zeichnete eine Vision von morgen, er malte das positive Weltbild an die Wand, das wir haben, er zeigte auf, hier ist jemand, der an eine positive Zukunft glaubt und in dieser Zukunft, spielt Erwerbsarbeit nur eine untergeordnete Rolle, weil „Industrie 4.0“ sich durchgesetzt hat, die Politik aber gleichzeitig erkannt hat, wo die Reise hingeht, eine Politik, die sich am Bürger orientiert nicht an der Wirtschaft.

LEIDER! Leider ist es so, dass die aktuelle Einheitspartei von schwarz-grün-rot-gelb das immer noch nicht verstanden hat, sie feiern „Industrie 4.0“ als etwas, dass die Wirtschaft ankurbeln und uns allen helfen wird. Aber längst weiß diese Welt, dass das, was für die Wirtschaft gut ist, nicht unbedingt auch für den Bürger gut ist, ganz im Gegenteil. Sie übersehen dabei, dass es im Step 4.0 weiten Teilen der Erwerbsarbeit an den Kragen gehen wird und ihre Lösung lautet weiterhin, Leiharbeit, Minijobs, mehrere Jobs und wer keine Arbeit hat, ist ein Faulpelz, wird mit Hartz 4 stigmatisiert.

Dieser Irrsinn muss ein Ende haben, denn Niemand braucht Erwerbsarbeit für irgendwas, außer der eigenen Versorgung. Ja, mancher kann sich selbst verwirklichen im Job, mancher findet die Anerkennung und Erfüllung, die er benötigt und ist glücklich wegen seines Jobs. Das finde ich toll und wünsche denjenigen, dass es immer so bleiben möge für sie, aber das ist nur einer kleiner Teil.

DU brauchst keine Erwerbsarbeit!

Michele Marsching erzählt ein Zukunftsmärchen (2. Rede zum NRW Haushalt 2017)


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